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Examensprüfungen und Gutachten

Examensprüfungsklausuren

Examensklausuren sind als Essays abzufassen, d.h. sie untersuchen einen gegebenen Zusammenhang auf Grund von Thesen, die der/die VerfasserIn innerhalb des größeren Rahmenthemas selbständig entwickelt. Formal weisen ZP-Klausuren im Gegensatz zur klassischen Form des Essays folgende Merkmale auf:

  • 1)     Eine ausgefeilte Gliederung, die am Anfang der Klausur steht, sich aber innerhalb des Textes auch wiederholt (wie bei einer Hausarbeit). Unter „ausgefeilt“ verstehe ich eine Gliederung, die mehr Punkte umfasst als „I Einleitung, II Hauptteil, III Schluss“.
  • 2)      Eine Diskussion der Forschungslage. Dazu ist es notwendig, mehr als ein Vorlesungsskript oder eine allgemeine Einführung in die Amerikanische Geschichte zu lesen. Es wird erwartet, dass die KandidatIn mindestens fünf einschlägige wissenschaftliche Monographien gelesen hat, die in den letzten zwanzig Jahren erscheinen sind. Das ist aber nur eine Faustregel und markiert das absolute Minimum.
  • 3)      Ironie, Anakoluthe und Ellipsen sind zwar rhetorische Mittel, haben aber in einem Klausurtext nichts verloren. Hier gilt die Regel: Drücken Sie sich eindeutig,  verständlich und klar aus. Hat der Satz ein Verb? Bezieht sich das Verb auf das Satzsubjekt?
  • 4)      Der Bezug auf die Forschungslage lässt sich in unterschiedlicher Weise herstellen. Entweder Sie fügen gleich zu Beginn ihrer Ausführungen ein kurzes Kapitel zur Forschungslage ein oder Sie nehmen im Laufe Ihres Texts Bezug auf die Spezialliteratur. Dies sollte nicht in der Form von Fußnoten erfolgen, sondern als sozialwissenschaftliche Zitation im Fließtext durch Einfügung des Verfassernamens, Kurztitels und Erscheinungsjahrs wie im folgenden Beispiel: (Finzsch, Horton und Horton, Von Benin nach Baltimore, 1999). Zweck der Zitation ist, dass den Lesern klar wird, welche Sekundärliteratur Sie gelesen haben. Jede Form des Zitats, die diese Erkenntnis beim Leser auslöst, ist akzeptabel.
  • 5)     Für den Vorgang des Schreibens gilt die Erfahrungsregel, dass es nichts bringt, den Text vorzuschreiben und ihn dann auf die offiziellen Prüfungsbögen zu übertragen. Sie verlieren zuviel Zeit dabei. Entwerfen Sie statt dessen eine ausführliche Gliederung, die das Thema strukturiert, und beginnen Sie gleich mit der Niederschrift.

 

Gutachten

  •  1)      Grundsätzlich gehört die Abfassung von Gutachten zu den Aufgaben der Lehrenden an einer Universität, und deshalb haben Studierende einen Anspruch auf Gutachten. Sie sollten sich jedoch überlegen, ob der/die von Ihnen gewünschte GutachterIn in der Lage ist, etwas Positives über Sie zu schreiben. Kennen Sie sie oder ihn aus Lehrveranstaltungen? Haben Sie ein gut oder sehr gut bewertetes Referat bei dem/der Lehrenden gehalten oder eine gute Hausarbeit geschrieben? Betreut der/die Lehrende Sie im Examen oder bei der Dissertation? Sollte Sie eine dieser Fragen nicht mit „ja“ beantworten können, ist die Bitte um ein Gutachten nicht sinnvoll.
  • 2)      Für die Begutachtung gelten Regeln: Es ist besser, wenn Sie den Text des Gutachtens nicht kennen, d.h. wenn der/die Gutachterin das Gutachten direkt an die Stelle weiterleitet, die das Gutachten angefordert hat, also DAAD, Stiftungen, Stipendienfonds etc. Eine Alternative ist die Weitergabe an Sie in einem verschlossenen und versiegelten Umschlag. Bei vielen Stellen gilt die offene Weitergabe von Gutachten an Studierende/Graduierte als anrüchig, weil der Verdacht besteht, dass es sich hierbei um ein „Gefälligkeitsgutachten“ handelt.
  • 3)      Für die Abfassung eines Gutachtens benötigt der/die Gutachterin einen Vorlauf von mindestens zwei Wochen. Das ist schon sehr knapp gerechnet. Angenommen, Sie benötigen ein Gutachten für den 1. Mai 2004, dann ist es sinnvoll, spätestens um den 1. April herum bei der/dem GutachterIn in der Sprechstunde aufzutauchen und die Einzelheiten festzulegen. Falls ein Stipendium beantragt wird, muss das fertige Exposé oder die Projektbeschreibung spätestens 14 Tage vor dem Abgabetermin des Gutachtens bei der/dem GutachterIn vorliegen und zwar vollständig und in letzter Fassung. Es stellt eine Zumutung dar, wenn Studierende eine Woche vor der Abgabe ihres Förderantrags mit einem halbfertigen Exposé erscheinen und sich wundern, wenn das Gutachten nicht zum erhofften Termin fertig ist.
  • 4)      Auch ein Exposé folgt einer Ordnung des Diskurses: Es besteht in der Regel aus mindestens fünf Teilen. Ein Eingangskapitel sollte die Fragestellung, die erkenntnisleitenden Interessen und den Titel des Exposés erläutern. Ein zweites Kapitel sollte die Forschungslage darstellen, damit deutlich wird, warum das vorgeschlagene Projekt innovativ und notwendig ist. Ein drittes Kapitel sollte sich der Theorie und Methode der eigenen Arbeit widmen. Ein viertes Kapitel sollte die Quellen- und Materialbasis der angestrebten Untersuchung erläutern. Das letzte Kapitel ist dem Zeitplan gewidmet, so dass deutlich wird, dass das Projekt innerhalb des Förderungszeitraums auch zu bewältigen ist. Diese fünf Punkte müssen nicht notwendigerweise in dieser Reihenfolge auftauchen, aber sie müssen alle in dem Exposé enthalten sein. Das Exposé sollte die Länge von fünf Seiten auf keinen Fall unterschreiten und 15 Seiten nicht überschreiten. Es enthält ein Deckblatt mit Namen und Anschrift des/der Antragstellerin und Titel des Projekts.
  • 5)      Gutachten werden nur ausgestellt, wenn die Regeln in Punkt 3) beachtet worden sind.